Als eine der schillernsten Vertreter der
Glamrock-Bewegung sind die britischen Roxy Music bis heute im kollektiven
Gedächtnis Musikinteressierter verankert. Ein kleines Missverständnis,
denn tatsächlich können die Briten mit ihrer Mischung aus Avantgarde-Rock
der Spät-60er und poppigen Hooklines als Vorläufer und Ideengeber
des Genres gelten.
Nachdem Kunstlehrer Bryan Ferry 1970 seine Kurse in musikalische Aufnahmesessions
umgestaltet, setzt ihn die Schulleitung vor die Tür, was in ihm den
Entschluss reifen lässt, eine Band zu gründen. Ein Jahr nach den
ersten Gehversuchen von Ferry, Bassist Simpson und Saxophonist Mackay, bringt
letzterer den Synthie-Fan Brian Eno in die Band, wie Ferry ein kreativer Sturkopf.
Von nun an geht's bergauf. Anders als herkömmliche Rock-Acts legten Roxy Music schon seinerzeit
gesteigerten Wert auf Style und Ästhetik. Sänger Ferrys Kunstbackground
schlug sich sowohl in den bizarren Showkostümen als auch in Roxys Videos
und auf den Plattencovern nieder, wo meist schöne Frauen zu bewundern
waren . Ferrys dandyhaftes, charismatisches Auftreten gepaart mit seinen romantisch
verklärten, ironischen Texten begeistert die Insulaner, trifft bei den
Amis jedoch auf Unverständnis und wird mit Nichtbeachtung gestraft. 1973 verlässt Brian Eno die Band nach dem zweiten Album im Streit
und startet eine Solokarriere. Von nun an arbeitet er an unzähligen Projekten.
Mitte der 70er erobern Disco-Elemente den bandtypischen Soul-Pop, der Song
"Love Is The Drug" bringt die Band erstmals in Amerika in die Hitlisten. Zwischendurch
frönt Ferry beständig seinem Drang nach Eigenregie, in dem er Soloalben
veröffentlicht, die immer mal wieder Coverversionen seiner Idole enthalten.
Roxy Music leidet darunter keineswegs, "Flesh And Blood" führt 1980
die UK-Charts an. "Avalon", mit der gleichnamigen Hitsingle, verkauft sich
in Amerika eine Million Mal.
Am Zenit angelangt empfindet Ferry die Arbeitsweise innerhalb eines Kollektivs
zunehmend als Last und löst die Band auf.